Fusion eröffnet Chancen für die Lebensversicherung
Alina vom Bruck im #fredwagner-Interview über Neuausrichtung, Produkte und Digitalisierung
In der aktuellen Ausgabe der Interviewreihe #fredwagner spricht Prof. Dr. Fred Wagner mit Alina vom Bruck, Vorstandsvorsitzende der Gothaer Lebensversicherung AG, über die Folgen der Fusion von Barmenia und Gothaer, die Perspektiven für fondsgebundene Produkte und die Rolle von Automatisierung in der Versicherungsbranche. Sponsor der Reihe ist die BROCKHAUS AG.
Fusion als Gestaltungschance
Mit der Ernennung zur Vorstandsvorsitzenden der Gothaer Lebensversicherung im Jahr 2023 fiel für Alina vom Bruck zeitgleich der Startschuss für eines der größten Transformationsprojekte der deutschen Assekuranz: die Fusion mit der Barmenia. Statt in bestehende Strukturen einzutreten, eröffnete ihr dieses Projekt die Möglichkeit, die Lebensversicherung neu auszurichten. „Durch die Fusion haben wir viele Dinge neu gemacht, die Organisation nochmal angepasst, Verantwortlichkeiten neu definiert.“, so vom Bruck.
Neben der formalen rechtlichen Zusammenführung sieht sie die eigentliche Aufgabe darin, Organisationen, Menschen und Prozesse zusammenzuführen. Dies betrifft insbesondere die Entwicklung gemeinsamer Produkte, die Bündelung der Vertriebswege und die Neuausrichtung des Maklergeschäfts.
Der Zusammenschluss ermögliche es, Synergien zu nutzen und gleichzeitig mit einer klaren Strategie die Lebensversicherung in einem herausfordernden Marktumfeld zukunftsfähig aufzustellen.
Produktwelt im Wandel
Einen weiteren Schwerpunkt legte das Gespräch auf die Produktstrategie der Gothaer Leben. Während die klassischen Garantieprodukte lange Zeit das Kerngeschäft der Branche waren, sieht vom Bruck deren Zukunft als begrenzt: „Wir werden nicht zurückgehen zu klassischen Produkten. Die Nachfrage liegt klar bei hybriden und fondsgebundenen Lösungen.“ Vor dem Hintergrund des Zinsumfelds und der Solvency-II-Anforderungen böten fondsgebundene Policen nicht nur höhere Renditechancen, sondern auch mehr Flexibilität für Kunden. Gleichzeitig steht die Branche vor der Herausforderung, sich stärker von reinen Fondsanbietern wie Trade Republic abzugrenzen. Beratung und zusätzliche Leistungen wie Garantien oder steuerliche Vorteile seien entscheidende Mehrwerte, die Lebensversicherungen im Vergleich zu Direktinvestments bieten können. Aus Sicht von vom Bruck ist es daher notwendig, die Kommunikation über diese Mehrwerte zu intensivieren, um die Lebensversicherung als zentrales Element privater Altersvorsorge zu stärken.
Digitalisierung & Automatisierung – die Sponsorenfrage der BROCKHAUS AG
Ein zentrales Zukunftsthema für die gesamte Branche ist die Digitalisierung. In der Sponsorenfrage von Matthias Besenfelder, Vorstand der BROCKHAUS AG wurde die Rolle von Automatisierung diskutiert. Alina vom Bruck betont, dass Künstliche Intelligenz und klassische Automatisierung nicht gegeneinander, sondern miteinander gedacht werden müssen: „KI und Automatisierung sollte aus meiner Sicht Hand in Hand gehen. Für mich ist das nicht das Gleiche. Im Moment reden alle über KI und KI kann viele Probleme lösen, aber halt auch nicht alle Probleme. Und ich glaube, dass wir gerade in der Versicherungsbranche auch gut daran tun, weiter Prozesse zu automatisieren.“ Für die Gothaer bedeute dies, operative Abläufe effizienter zu gestalten, Kosten zu reduzieren und zugleich die Qualität der Kunden- und Vertriebsprozesse zu verbessern. Vom Bruck weist jedoch auch auf die kulturelle Dimension hin: Prozesse, die über Jahre eingeübt wurden, müssten in den Organisationen neu gelernt werden. Während KI vor allem bei komplexeren und unregelmäßigen Aufgaben – etwa in der Kapitalanlage oder im Aktuariat – Vorteile bringe, sei klassische Prozessautomatisierung weiterhin ein Schlüssel für das Massengeschäft. Die Verbindung beider Ansätze betrachtet sie als entscheidenden Hebel, um die digitale Transformation erfolgreich umzusetzen.
Aufzeichnung verfügbar
Das vollständige Interview mit Alina vom Bruck finden Sie hier: Zur Aufzeichnung YouTube