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KI als Reset-Knopf für die Assekuranz

Im Studio der Interviewreihe #fredwagner: Moderator Prof. Dr. Fred Wagner (links) im Gespräch mit Jens Warkentin (rechts), CEO von HDI Deutschland und CIO der Talanx Gruppe.
KI als Reset-Knopf für die Assekuranz

KI als Reset-Knopf für die Assekuranz: Warum die nächsten zehn Jahre über Gewinner und Verlierer entscheiden

Im Interview der Videoreihe #fredwagner erklärt Jens Warkentin, CEO von HDI Deutschland und CIO der Talanx Gruppe, warum KI die Wettbewerbsdynamik der Versicherungsbranche grundlegend verändert, weshalb er Standardsoftware kritisch bewertet und warum Vertrauen der Kern des Versicherungsgeschäfts bleibt. Sponsor der Interviewreihe #fredwagner ist die BROCKHAUS AG.

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KI wird die Versicherungsbranche stärker verändern als jedes Jahrzehnt zuvor

Während sich Marktanteile und Wettbewerbspositionen in der Versicherungswirtschaft traditionell nur sehr langsam verschieben, erwartet Jens Warkentin durch Künstliche Intelligenz eine deutlich höhere Dynamik. Technologischer Fortschritt werde nicht nur Prozesse effizienter machen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen grundsätzlich neu bewerten.

„Der technologische Wandel ist wie eine Art Reset-Knopf, was Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche angeht.“,

Nach Warkentins Einschätzung schafft KI damit erstmals seit Jahrzehnten die Voraussetzungen für spürbare Verschiebungen innerhalb der etablierten Marktordnung. Unternehmen, die die technologischen Möglichkeiten konsequent nutzen, könnten deutlich schneller Marktanteile gewinnen. Wer den Wandel unterschätze oder zu langsam reagiere, laufe Gefahr, Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. Seine Prognose fällt entsprechend deutlich aus:

„Das Ranking der Versicherer im Jahr 2035 wird eine deutlich größere Veränderung erfahren als von 2026 auf 2016.“

Damit widerspricht der HDI-Chef der verbreiteten Vorstellung einer weitgehend stabilen Marktstruktur. Zwar erwartet er keinen grundlegenden Zusammenbruch bestehender Geschäftsmodelle. Er geht jedoch davon aus, dass KI die Geschwindigkeit erhöht, mit der sich Gewinner und Verlierer im Markt herausbilden. Entscheidend werde sein, wer Technologie, Regulierung, Sicherheit und neue Arbeitsweisen am erfolgreichsten zusammenführt.

Standardsoftware oder Eigenentwicklung? Die Branche geht erstmals unterschiedliche Wege

In der Sponsorenfrage der BROCKHAUS AG ging es um eine der aktuell wichtigsten Technologiefragen der Versicherungsbranche: Können Legacy-Systeme bestehen bleiben und mit KI ergänzt werden oder beschleunigt KI die Modernisierung grundlegender IT-Landschaften?

Für Jens Warkentin ist die Antwort eindeutig. Altsysteme könnten nicht dauerhaft weiterbetrieben werden, sondern müssten schrittweise modernisiert oder ersetzt werden. Der technologische Fortschritt und steigende Anforderungen an Cybersecurity machten langfristig ein Festhalten an jahrzehntealten Systemen unmöglich.

„Legacy Systeme können nicht stehen bleiben. Sie müssen modernisiert werden. Sie müssen peu à peu ausgetauscht werden.“

Gleichzeitig stellt Warkentin die klassische Strategie vieler Versicherer infrage, bestehende Systeme durch neue Standardsoftware zu ersetzen. Solche Programme würden oft über Jahre laufen und erhebliche Investitionen binden. Stattdessen setzt er zunehmend auf KI-gestützte Eigenentwicklung. Mit modernen Entwicklungsansätzen würden Altsysteme modernisiert und zentrale Anwendungen selbst aufgebaut. Als Beispiel nennt Warkentin die Erneuerung des Schadensystems.

„Wir schreiben unsere Standardsoftware in Teilen selbst. Wir modernisieren und ersetzen unser Schadensystem und machen das selbst mittels moderner Technologien.“

Für Warkentin beginnt damit eine Phase strategischer Differenzierung. Während einige Versicherer weiterhin auf Standardsoftware setzen, wählen andere den Weg der Eigenentwicklung.

„Die Zukunft wird zeigen, wer auf dem richtigen Pfad unterwegs ist. Kaufe ich Standardsoftware, vertraue ich auf die Kompetenz anderer. Baue ich selbst, vertraue ich auf die eigene Kompetenz.“

Vertrauen bleibt die entscheidende Ressource

Trotz aller technologischen Veränderungen sieht Jens Warkentin einen Faktor, der auch im KI-Zeitalter zum Kern des Versicherungsgeschäfts gehört: Vertrauen. Versicherer seien nicht in erster Linie Technologieunternehmen, sondern Organisationen, die Schutz, Sicherheit und Verlässlichkeit bieten müssen. Dieses Grundversprechen werde durch KI nicht ersetzt.

„Kernkompetenzen sicherlich: Vertrauen. Wir bieten Schutz als Versicherungsbranche. Den Schutz müssen wir gewährleisten.“

Warkentin verbindet den Vertrauensbegriff dabei nicht nur mit der Leistungsfähigkeit im Schadenfall, sondern auch mit Datensicherheit, Kapitalstärke und langfristiger Verlässlichkeit gegenüber Kundinnen und Kunden.

„Wir agieren mit persönlichen Daten. Diese Daten müssen bei uns sicher sein. Sicherheit in allen Aspekten: Sicherheit in der Kapitalanlage, Sicherheit der Daten und natürlich Sicherheit beim Versicherungsschutz. Das ist das Thema, wofür wir stehen.“

Darin sieht er eine Kompetenz, die auch durch leistungsfähige KI-Systeme nicht automatisch ersetzt werden kann:

„Das wird die Kernkompetenz weiterhin bleiben.“

Für die Versicherungswirtschaft bedeute das: KI kann Prozesse effizienter machen, Risiken präziser kalkulieren und Kunden besser informieren. Die Frage, wem Kundinnen und Kunden ihr Geld, ihre Daten und ihren Versicherungsschutz anvertrauen, bleibt aus Sicht Warkentins jedoch eine strategische Schlüsselfrage der Branche.

Über die Interviewserie #fredwagner

In der von Prof. Dr. Fred Wagner moderierten Interviewreihe #fredwagner diskutieren Entscheiderinnen und Entscheider der Versicherungsbranche über Geschäftsmodelle, Markttrends und strategische Weichenstellungen. Die Gespräche richten sich an Fach- und Führungskräfte in Versicherungen, Vermittlerunternehmen und Dienstleistungsbetrieben der Assekuranz. Die BROCKHAUS AG begleitet das Format seit vielen Jahren als Sponsor.

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