Partnerschaft statt Buy-out
Im neuen #fredwagner-Interview erklärt GGW-Geschäftsführer Dr. Tobias Warweg, warum die Gruppe nicht Nachfolger für „aussteigende“ Makler sein will, sondern eine Heimat für unternehmerisch starke Häuser – und wie Private Equity dabei Partner statt Exit-Treiber sein kann.
Die deutsche Maklerlandschaft steht unter Druck: internationale Großmakler expandieren, der Mittelstand konsolidiert, Private-Equity-Investoren drängen in den Markt. In dieser Gemengelage verfolgt die GGW-Gruppe einen eigenen Ansatz. Im aktuellen Interview der Branchenreihe #fredwagner spricht Dr. Tobias Warweg, Geschäftsführer der Gruppe, über ein Modell, das bewusst auf Unternehmerkultur und Beteiligung setzt – und sich damit von klassischen Buy-out- oder Nachfolge-Storys abgrenzt.
Unternehmer statt "Exit-Kandidaten"
Die GGW-Gruppe ist 2020 aus der Warweg Mittelstandsmakler GmbH hervorgegangen und 2021 mit Gossler, Gobert & Wolters fusioniert. Heute vereint sie etwas mehr als 2.500 Mitarbeitende, davon rund 400 Gesellschafter, unter einem Dach. Auffällig ist weniger die schiere Größe als das Profil der Partnerhäuser.
Warweg grenzt sich im Interview klar von einer reinen Nachfolgelogik ab:
„Wir sind nie angetreten, um ein Makler für eine Nachfolgeplanung zu werden“, sagt Warweg. „Wir sind nicht der Nachfolgespezialist. Zu uns kommt man nicht, wenn man meistbietend verkaufen will und sagt: ‚Kümmert euch bitte um die Nachfolge zu uns. ‘“
Die Botschaft: GGW sucht unternehmerisch starke Maklerhäuser, die ihre Zukunft aktiv gestalten wollen – nicht primär Bestände, die nur noch „untergebracht“ werden müssen. Gemeint sind Unternehmen mit klarer regionaler Verankerung, besonderer Branchenspezialisierung oder hoher fachlicher Tiefe, die Skalierung und Entlastung suchen, aber nicht ihre Identität abgeben wollen.
Private Equity als Ermöglicher - nicht als Exit-Maschine
Der Aufbau der Gruppe wäre ohne Investorenkapital kaum möglich gewesen. Heute halten die Private-Equity-Häuser HG Capital und Permira jeweils einen wesentlichen Anteile an der GGW-Gruppe. Für viele Marktteilnehmer ist das ein Reizthema – Stichwort Renditedruck, Haltedauer und Exit-Strategie.
Warweg betont im Gespräch die Rolle der Unternehmer und die Beteiligungslogik der Gruppe:
„Wir sind die Gruppe von Unternehmern. Wir wollen die besten Unternehmer für unsere Gruppe gewinnen. (…) Wir haben eine unternehmerische Kultur und wir haben Unternehmer vor Ort und keine angestellten Manager“, so Warweg.
Die Unternehmer in der Gruppe sind damit nicht Objekt einer Buy-out-Strategie, sondern wirtschaftlich und kulturell Mitgestalter der Plattform.
Autonomie am Kunden als rote Linie
Trotz zentraler Strukturen – etwa bei Administration, Einkauf oder IT – sieht Warweg den entscheidenden Freiheitsgrad am Kunden vor Ort: „Autonomie ist uns heilig. Wo ist die Autonomie? An welchem Punkt ist die Autonomie bei einem Versicherungsmakler besonders wichtig? Am Point of Sale, beim Kunden.“
Die Gruppe setzt auf lokale Entscheidungskompetenz, verbunden mit zentralen Services, Skaleneffekten und einer gemeinsamen Plattform. Rund 400 Gesellschafter seien in den Büros und an den Standorten präsent – als Unternehmerpersönlichkeiten, nicht nur als Standortleiter. Die Partnerhäuser sollen im Markt weiterhin wie eigenständige Unternehmer auftreten, gleichzeitig aber von Einkaufsmacht, Know-how-Transfer und Infrastruktur der Gruppe profitieren.
Wachstum im schwierigen Umfeld: Konsolidierung als Gegenstrategie
Warweg macht im Gespräch keinen Hehl daraus, dass der deutsche Mittelstand unter Druck steht und damit auch das Prämienvolumen, aus dem Makler leben. Gleichzeitig beschreibt er einen klaren Wachstumsanspruch:
„Unser Anspruch ist und war immer, dass wir doppelt so schnell wachsen wie der Markt“, sagt Warweg – und zwar nicht nur über Zukäufe, sondern insbesondere durch organisches Wachstum der angeschlossenen Häuser.
Für ihn ist dabei eine Kennzahl zentral: die Kundenabwanderung. Diese liege in der Gruppe nach seiner Aussage bei rund zwei Prozent und damit aus seiner Sicht deutlich günstiger als im Marktvergleich.
Statt globaler Expansion in die USA oder nach Asien liegt der Fokus auf Europa und einer „inneren Konsolidierung“: Strukturen zusammenführen, Doppelarbeiten vermeiden, Wissen teilen und Prozesse professionalisieren. Die GGW-Gruppe ist inzwischen in 13 europäischen Ländern aktiv; im Vordergrund stehen Märkte mit starkem Mittelstand.
Automatisierung: Effizienzhebel und Kundennutzen
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews ist die Rolle der Technologie. Im Rahmen der von der Brockhaus AG eingebrachten Sponsorenfrage geht es darum, ob Automatisierung nicht nur die Effizienz in der Gruppe steigert, sondern auch echte Vorteile für Endkundenschafft.
Warweg betont, dass aus seiner Sicht höhere Service-Level, Geschwindigkeit und Stabilität gerade aus der Bündelung der Systeme und Anforderungen entstehen und schließt mit Blick auf die Kunden:
„Wie sehr vieles ist auch dieses Thema für die Endkunden von erheblichem Vorteil.“
„Ich werde in diesem Unternehmen in Rente gehen“
Auf die Frage nach seinen eigenen Plänen formuliert Warweg seine persönliche Perspektive deutlich:
„Ich bin froh, dankbar und auch ein bisschen stolz sagen zu können, dass ich meinen Traumjob gefunden habe mit der Gründung dieses Unternehmens.“
Damit setzt er ein Signal in einem Markt, in dem manche Konsolidierungsmodelle stark auf einen zukünftigen Verkauf hin gedacht sind. GGW will sich als dauerhafte Unternehmerplattform positionieren – nicht als rein transaktionsgetriebene Geschichte.
Aufzeichnung verfügbar
Das vollständige Gespräch mit Dr. Tobias Warweg in der Interviewreihe #fredwagner ist ab sofort online verfügbar: Zur Aufzeichnung YouTube