Führungskraft befähigt sein Team
Ein Beitrag von Jan Westrup

Welche Eigenschaften braucht ein Servant Leader?

Die Transformation von einer klassischen zu einer agilen Unternehmenskultur verändert die Zusammenarbeit der Teams und bringt eine neue Erwartungshaltung an die Führung mit sich.

Der Ansatz des Servant Leaders von Robert K. Greenleaf setzt auf flache Hierarchien und die Befähigung der Mitarbeitenden. Laut Greenleaf sieht sich ein Servant Leader in erster Linie als Motivator und Mentor. Dafür dreht der Servant Leader die Hierarchie-Pyramide auf den Kopf, stellt die Bedürfnisse der Mitarbeitenden an die erste Stelle und hilft ihnen, sich zu entwickeln und Ergebnisse zu realisieren. Das bedeutet, der Servant Leader ist eine Führungsperson, die sich auf Augenhöhe begibt, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Doch wer profitiert vom Servant Leadership?
Servant Leadership stärkt den Zusammenhalt unter den Mitarbeitenden und vermittelt ihnen ein Gefühl der Wertschätzung. Dies führt dazu, dass die Mitarbeitenden Gedanken und Verbesserungsvorschläge einbringen und mehr Verantwortung für die Ergebnisse des Unternehmens übernehmen. Der Servant Leader profitiert von einem sich verbunden fühlenden Team, das sein volles Potenzial entfaltet und selbstorganisiert seine Ziele erreicht.

Vielen Führungskräften fällt die Entwicklung zum Servant Leader nicht leicht. Es braucht Ausdauer, Disziplin und den Willen, sich nachhaltig zu verändern. Wir erläutern Ihnen daher die sieben wichtigsten Eigenschaften eines Servant Leader: von Selbstwahrnehmung über aktives Zuhören, Entwicklung der Kolleg*innen, Freisetzung der Energie und der Intelligenz der anderen, Coaching statt Kontrolle bis hin zum vorausschauenden Agieren.

 

#1 Selbstwahrnehmung

"Baue dir ein Verständnis über deine Emotionen, Stärken, Limitierungen, Werte und Motive auf. Sei dabei ehrlich zu dir selbst und zu anderen."

Eine Führungsperson muss lernen, sich selbst zu reflektieren und ihrer Selbst bewusst zu sein. Dazu gehört es, ein Verständnis für die eigenen Emotionen, Stärken, Werte und Motive aufzubauen. Nur so lernt der Servant Leader, sein bzw. ihr Denken, Fühlen und Handeln weiterzuentwickeln.

Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist der erste Schritt für die Veränderung zum Servant Leader und damit die Grundlage für den Erfolg. Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten offenzulegen und aktiv anzugehen, braucht jedoch Mut und Ehrlichkeit.

 

#2 Aktives Zuhören

"Versuche erst durch Zuhören und ehrlichem Interesse das Problem und die Bedürfnisse dahinter zu verstehen, bevor du eine Lösung vorschlägst."

In der Kommunikation achten wir darauf, was wir sagen und wie wir es sagen. Dabei liegt der Fokus oft bei uns selbst und wir vergessen, dem Gegenüber richtig zuzuhören.

Für aktives Zuhören braucht es daher Aufmerksamkeit und aufrichtiges Interesse am Gegenüber. Ein Servant Leader stellt seine eigene Meinung zurück und wirft, für die Dauer des Zuhörens, keine Kommentare ein oder teilt nicht ungefragt seine Sicht auf die Dinge.

Zum aktiven Zuhören braucht es jedoch mehr, als nur die gesagten Inhalte aufzunehmen. Aufgabe des Servant Leaders ist es, auch den Zwischentönen Beachtung zu schenken und Gefühle sowie Empfindungen zu erfassen. Es ist Empathie notwendig, um Emotionen herauszufiltern und zwischen den Zeilen zu lesen.

 

#3 Entwicklung der Kolleg*innen

"Schafft Umgebungen, in denen das persönliche Wachstum und die Leistungsexzellenz aller Mitarbeitenden im Vordergrund stehen und nicht eines jeden Einzelnen."

Das Ziel ist ein Team, in dem sich die Fähigkeiten und Eigenschaften der Teammitglieder ergänzen, das sich vertraut und gemeinsame Werte verfolgt.

Der Servant Leader bietet seinem Team Sicherheit und Orientierung und gibt seinem Team gleichzeitig den Raum, Gedanken einzubringen und Teil der Lösungsfindung zu sein. So schafft er bzw. sie als Führungskraft eine Umgebung, in der sich alle Mitarbeitenden aufgehoben und unterstützt fühlen.

Jedes einzelne Teammitglied kann unbefangen arbeiten, sich frei entfalten und die bestmögliche Leistung erbringen.

 

#4 Freisetzung der Energie und der Intelligenz der anderen

"Ein Servant Leader versucht, die Intelligenz und Energie aller Mitarbeitenden freizusetzen und gebt euch auch mal den (wilden) Ideen der Kolleg*innen hin."

Dem Team Raum geben, um Entscheidungen zu treffen, bedarf einer wirklich großen Führungspersönlichkeit. Servant Leader lassen ihre Mitarbeiter*innen die Freiheit und ermutigen sie sogar, sich zu entfalten und somit neue kreative Ideen zu entwickeln.

Dafür zeigt der Servant Leader klare Perspektiven auf und vermitteln ein Gespür für den Sinn der Arbeit. Kurz gesagt: Ein Servant Leader befähigt sein Team, eigenmotiviert und in einem definierten Rahmen zu arbeiten und seine Aufgaben bestmöglich zu bewältigen.

 

#5 Coaching statt Kontrolle und Steuerung

"Helft den anderen, die Lösung für ihre Probleme selbst zu finden und zu wachsen. Drückt nicht eure Meinung und Lösung blind auf."

Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist es, das Team auf dem Weg zur Selbstorganisation und Zusammenarbeit zu begleiten. Anstatt das Team zu steuern, wird es vom Servant Leader dazu befähigt, eigene Wege zur Zusammenarbeit zu finden und an den Aufgaben zu wachsen.

Das Team muss zunächst lernen, mit diesen Freiheiten umzugehen, die ihm Selbstorganisation bietet. Dann aber sind sie hochmotiviert und leistungsfähig. Geht einmal etwas schief, hält der Servant Leader seinem bzw. ihrem Team den Rücken frei.

 

#6 Operative Mitarbeiter*innen an die Spitze stellen

"Dreht die Hierarchie-Pyramide um und helft den Kolleg*innen, die an der Wertschöpfung beteiligt sind, Entscheidungen zu treffen, anstatt eure Macht zu demonstrieren."

Viele Unternehmen arbeiten mit dem Top-Down-Ansatz im Management, bei dem Entscheidungen auf höchster Ebene stattfinden und dann dem Team mitgeteilt werden. Diese Führungskultur bezieht die Mitarbeiter*innen jedoch nicht in den Entscheidungsprozess mit ein. Im besten Fall war die Entscheidung gut, im schlimmsten Fall kann Sie das Team aber stark in der täglichen Arbeit behindern.

Servant Leadership steht für das Gegenteil und dreht die klassische Hierarchie-Pyramide auf den Kopf. Die Entscheidungen werden nun im Team getroffen, wo sie auch verantwortet und umgesetzt werden. Ein Servant Leader gibt damit den größten Teil der Autorität ab und das Team steht an erster Stelle, um schnell und effizient die Aufgaben des Alltags bewältigen zu können.

 

#7 Vorausschauend agieren

"Handelt weise und vorausschauend, um etwaige Hindernisse und Probleme frühzeitig aufzudecken und antizipieren zu können."

Neben all den bereits genannten Fähigkeiten benötigt ein Servant Leader die Gabe, etwaige Hindernisse, die sich negativ auf die Arbeit auswirken können, vorauszusehen und aus dem Weg zu räumen. Auch eventuelle Machtkämpfe verhindert der Servant Leader und sorgt so für ein ausgeglichenes Umfeld, in dem die Mitarbeitenden ihr Potenzial voll entfalten können.

All diese Veränderungen passieren nicht über Nacht. Führungskräfte benötigen Ausdauer und den Mut, sich zukünftig an den Bedürfnissen und Interessen der Mitarbeitenden zu orientieren. Belohnt wird das Team mit einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität sowie einer besseren Ergebnisqualität und mehr Kreativitätspotential.

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